Hamburg Planten un Blomen

Planten un Blomen ist ein 45 Hektar großer Park mitten in Hamburg. Nähres auf der Homepage des Parks hier.

1953-1962

Als Vorgänger der Porschezüge wurde zur IGA 1953 am Spielplatz eine Kindereisenbahn von der Kopenhagener Firma Stefansen gebaut und betrieben. Sie fuhr auf einer 400 m langen Elipse. Es gab zwei Züge, eine Western- und eine US-Diesellok. Zur IGA 1963 wurde sie abgebaut, da sie marode war und pausenlos repariert werden musste.

1963 – Internationale Gartenbau-Ausstellung IGA

Zur IGA 1963 plante man in Hamburg ein Beförderungsmittel zum Transport der Besucher. Aufgrund der Aufteilung der einzelnen Parkteile durch die ebenerdige Straße „An den Kirchhöfen“ entschied man sich für eine Seilbahn zwischen Wallanlagen und Dammtor sowie für eine Kleinbahn auf 600 mm in Planten un Blomen.

Für den Transfer zwischen Planten un Blomen und Heiligengeistfeld richtete man dazu noch eine Verbindung mit schienenlose Zügen („Wegebahnen“) ein.

Den Zuschlag für den Betrieb von Kleinbahn und schienenlosen Zügen bekam der Kaufmann Henry Escher, der entsprechende Erfahrungen seit der Bundesgartenschau 1959 im Dortmunder Westfalenpark und bei der Deutsch-Französischen Gartenschau 1960 in Saarbrücken sammeln konnte.

Es wurden drei neue Züge der Serie 3 von der Sollinger Hütte Uslar und Piotrowkski Karosseriewerke Hamburg gebaut: Express 1 (blau, später Zug 8), Express 2 (hellblau) sowie der rosa Cinzano-Blitz (später Zug 9) zum Stückpreis von DM 80.000. Aus Saarbrücken kam der gelbe Zug.

Am 26 April 1963 begann der Betrieb der Kleinbahn mit vier Zügen. Auf einem 1,5 km langen Rundkurs, der gegen den Uhrzeigersinn befahren wurde, gab es einen Bahnhof am damaligen Haupteingang, der sich an der ehemaligen Rollschuhbahn befand (heute ungefähr beim Japanischen Garten). Er besaß ein stumpfes Abstellgleis. Bedarfsweise wurde noch am Orchideen-Café auf dem Weg gehalten. An der Tiergartenstraße befand sich ein zweigleisiger Lokschuppen Dieser war aber nur von einer Seite befahrbar, sodass morgendliche Rückwärtsfahren erforderlich war.

Nach der Gartenschau ging statt des gelben Zugs der hellblaue Express 2 nach Saarbrücken, wo er dunkelblau lackiert wurde und dort und in Karlsruhe im Einsatz war.

Details: 1963 Hamburg IGA

Planten un Blomen in den 1960er Jahren: oben links die alte Lokhalle

1964-1972

Nach der IGA beantragte Escher dann eine weiterführung des Betriebs, was ihm auch genehmigt wurde. Während die Seilbahn wieder abgebaut wurde, erfreute die Bahn auch die nächsten Jahre Besucher im Park Planten un Blomen.

Zur Saison 64 beantragte Escher neben dem Bahnhof an der Rollschubahn noch einen weiteren Haltepunkt einzurichten. Hier baute man noch einen Zaun, legte einen Bahnsteig an und setzte ein Kassenhäuschen. Die Bedarfshaltestelle am Orchideen Café (ab 1968 „Fernsehturm“) blieb bestehen. Aus Sicherheitsgründe verlegte man diese aber vom Weg in die darauffolgende Kurve.

1964  bis 1965 ging der Betrieb offiziell mit zwei Zügen, blau (später Zug 8) und rosa (später Zug 9), weiter.

Zur Saison 1966 stieg der Technische Kaufmann Werner Gründler (1912-1986) als Teilhaber in den Hamburger Betrieb ein und wurde Betriebsleiter. Zusammen mit Henry Escher gründeten sie die Gründler & Escher OHG, die noch bis Anfang 1973 bestand, bevor Escher wieder alleiniger Eigner der Bahn in Hamburg wurde.

Ab 1966 kam noch ein dritter Zug dazu. Die Reservelok aus Dortmund wurde gelb lackiert und fuhr mit den Hängern des gelben Zugs, dessen Lok 1967 nach Karlsruhe ging. Er fuhr bis 1969 als Express 3 und erhielt später die Nummer 7.

Durch die Austragung der IGA1973 in Hamburg und Bau des CCH und Hotel kündigte man den Vertrag mit Escher und Gründler zum Oktober 1969. Auch wenn der Park selber noch für Besucher 1970 geöffnet blieb, wäre aufgrund der Baustelle des CCH ein Fahrbetrieb mit der Bahn nicht mehr möglich gewesen.

Zug 7 (gelb) fuhr 1969 mit Werbung für „Erntekrone“:

1973 – Internationale Gartenbau-Ausstellung IGA

Da man in Hamburg für die IGA 1973 auch wieder auf die Kleinbahn setzte und Escher den Zuschlag bekam, wurde ab 1971 die gesamte Gleisanlage im Park neu gebaut. Durch die Tieferlegung der Straße „An den Kirchhöfen“ (später „Marseiller Str“)  konnte nun auch weiter in den Botanischen Garten, in die Kleinen- sowie Großen Wallanlagen gefahren werden.

Den Bau der Strecke übernahm die Hamburger Firma Hugo Ehlers. Die Gesamtlänge der Strecke betrug nun 5,3 km und hatte vier Stationen:„Fernsehturm“ (an neuer Stelle, gegenüber der Bürgergärten) , „Botanischer Garten“, „Millerntor“ und „Stephansplatz“. Alle Haltestellen besaßen nun ein doppeltes Kassenhäuschen, zwei Bahnsteige mit jeweils einem Abstellgleis, (aus Platzgründen an der Station „Botanischer Garten“ nicht direkt am Bahnsteig, sondern weiter vor dem Bahnhof auf der Wiese).

Der neue Betriebshof an der Tiergartenstraße wurde etwas versetzt in Richtung der Tankzapfsäule dreigleisig neu errichtet und besaß Tore an beiden Enden, was das morgendliche rückwärtsfahren entbehrlich machen sollte. Die Verlegung der Lokhalle war aus feuerpolizeilichen Gründen notwendig.

Weiterhin wurde eine Gleisverbindung im Parkteil Planten un Blomen angelegt, um bei Probefahrten nicht die gesamte Strecke abfahren zu müssen. Auf der Höhe des Plaza Hotels lagen die Streckengleise dicht beieinander. Hier baute man einen Gleiswechsel ein (natürlich nicht für den Alltagsbetrieb).

Die Bahn ging zum Start der IGA am 27. April 1973 in Betrieb. Es waren insgesamt zehn Züge im Einsatz: Zug 4, 5 und 6 aus Dortmund, Zug 7, 8 und 9 (der ehemalige Express 3, 1 und 2) aus Hamburg, sowie vier Neubauten der Sollinger Hütte-Uslar/Piotrowski Hamburg (Zug 10,11,12 und 13) zum Stückpreis von DM 190.000.

Details: 1973 Hamburg IGA

Planten un Blomen 1973: links im Bild die neue Lokhalle

1974-1982

Auch nach der IGA 1973 wollte man weiter an der Bahn festhalten und handelte mit Henry Escher einen Vertrag bis 1983 aus. Aufgrund der langen Strecke baute man im Bereich der zwei Haltestellen „Botanischer Garten“ und „Stephansplatz“ aber ein Verbindungsbogen zwischen den beiden Streckengleisen. Dazu riss man die Haltestelle „Stephansplatz“ ab und baute sie mit  an den neuen Gleisbogen, einfach ohne Abstellgleis. So konnte ab der Saison verkürzte Fahrten nur im Bereich Planten un Blomen und Stephansplatz angeboten werden. Nur am Wochenende und in den Ferien sollte weiter bis zum Millerntor gefahren werden. 

Ab 1974 waren in Hamburg  drei Züge stationiert.

Zur Saison 1976 legte man fast alle Weichen still. Ausgenommen hiervon waren die Abstellgleise an den Stationen „Fernsehturm“ am „Millerntor“ die Verbindungskurve am Stephansplatz sowie die Weichen des hinteren Gleisvorfeldes vom Betriebshof. Abgebaut wurden die Weichen aber nicht, man plante für eine mögliche IGA 1983 sie eventuell wieder in Betrieb zunehmen.

1979 baute man das Kassenhäuschen an der Haltestelle Stephansplatz ab.

Ende der 1970er Jahre pachtete Klaus Brandt, ehemaliger kaufmännischer Leiter der Firma Escher, den Betrieb der Bahn vom neuen Inhaber Intamin.

Durch die Eröffnung des Botanischen Gartens in Klein Flottbek, bekam die Station im Parkteil, wie der Garten selber, den Namen „Alter Botanischer Garten“.  Im Jahr 1980 kam es zu einem erheblichen Blechschaden, beim Versuch einen liegengebliebenen Zug auf der Steigung im alten Botanischen Garten zu bergen. Durch Unachtsamkeit wurde die Bremse gelöst und der Zug rollte Rückwärts auf den hinteren Zug. Kein Mensch kam zu schaden aber die Lok-Karosse hatte einen ziemlichen Schaden davon getragen.

Anfang der 1980er baute man die Ausfahrweiche des Abstellgleises vom Bahnhof Millerntor aus.

Nach dem plötzlichen Tod von Klaus Brandt Ende 1981 wurde der Betrieb für die Saison 1982 die „Deutsche Minigolf Gesellschaft Rolf Albert Pless“ verpachtet. Diese betrieb diverse Gastronomien und Einrichtungen sowie schon seit langen die Miniaturgolfanlage im Park.

1983-

Für die Saison 1983 lies sich kein neuer Betreiber finden. Die notwendige Überholung der Gleisanlage hätte hohe Investitionen notwendig gemacht, für die weder Hamburg noch Intamin aufkommen wollte. Ein Betrieb mit den von Intamin in anderen Parks betriebenen Akkuloks war in Hamburg aufgrund der Steigung von bis zu 8% nicht möglich, die Porscheloks sollten von Intamin stillgelegt werden.

Die Stadt versuchte im Anschluss einen neuen Betreiber zu finden. Bis auf einen Interessent, Heinrich Schuster (Betreiber der Hamburger Stadtrundfahrtbusse), für die Kleine Rundfahrt (Planten un Blomen bis Stephansplatz) gab es aber keinen. Als auch dieser auch absprang, entschied man sich die Stecke offiziell still zulegen.

Da die Stadt sowieso plante den gesamten Park „aufzuhübschen“ und von den „Platten und Beton“ der 70er Jahre zu befreien, wurde nun auch ab Anfang 1985 damit begonnen Gleise und Bahnsteige zu entfernen. Dieses zog sich aber hin. Noch lange blieben viele Gleise in den Wegübergängen liegen. Diese verschwanden in manchen Fällen erst viele Jahre später bei Umgestaltungen der einzelnen Parkbereiche (das letzte Gleis Anfang  2017 an Eingang der Eislaufbahn in den Großen Wallanlagen).

Der Betriebshof blieb erhalten und dient noch heute u. a. als Lagerhalle. Noch heute kann man auch noch beim genauen Hinschauen Reste der Bahninfrastruktur im Park erkennen. Z.B. die weißen Warnstreifen sind heute noch an manchen Stellen blass zu erahnen. Auch die Bahndämme am Stephansplatz und von den Großen Wallanlagen runter zum Sievekingplatz sind im Jahr 2020 noch erkennbar.

[PS/HS]